Jahreslosung 2026

Gott spricht: Siehe ich mache alles neu! (Offenbarung 21, 5)

 

Auslegung von Renate Karnstein zum Bahlinger-Motiv:

 

Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!

Offenbarung 21,5 (L)

Wie kommt diese Aussage bei Ihnen an?
In meinem Leben gibt es Zeiten, da klammere ich mich an Gottes Versprechen, dass mit Ihm alles anders werden kann, auch da, wo ich keinen Ausweg sehe. Wenn sich mein Leben wunderbar anfühlt, leide ich daran, dass alles seine Zeit hat und ich das Wesentliche nicht im Griff habe.

Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!

Im letzten Buch der Bibel lässt uns Johannes an seiner prophetischen Schau teilhaben, die ihm auf der Insel Patmos offenbart wurde. Dorthin war er wegen seines Bekenntnisses zu Jesus Christus von der römischen Staatsmacht verbannt worden. Johannes schrieb „die Offenbarung“ an die sieben kleinasiatischen Gemeinden. Auch in der Provinz Asia wurde der Kaiserkult eingeführt und durchgesetzt. Der Kaiser nahm göttliche Verehrung für sich in Anspruch, die in dem Ruf gipfelte: „Der Kaiser ist Gott!“

So ist die Offenbarung des Johannes zum einen ein mutiges und strahlendes Bekenntnis zu Jesus Christus, zum anderen ein warnendes und zugleich seelsorgliches Schreiben an die verunsicherten Gemeinden. Johannes grüßt die Gemeinden zu Beginn mit den Worten:
„Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommt. (…) Ich bin das A und das O, spricht Gott der Herr, der da ist und der da war und der da kommt, der Allmächtige.“ (Offenbarung 1, 4 und 8) Was für ein kraftvoller Auftakt!

Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!

Es ist heute schwieriger denn je zu ergründen, wer was wirklich gesagt hat. Und dann in einem nächsten Schritt: Halte ich die Person für glaubwürdig? Entsprechend: halte ich ihre Worte für glaubwürdig oder eben nicht?

Ich bin und Ich werde sein! ist der umfassende Name Gottes. Dagegen können alle Umschreibungen und Vergleiche nichts ausrichten. Jesus schließt mit seinen „Ich– bin-Worten“ daran an, wenn wir im Johannesevangelium lesen: Ich bin das Brot des Lebens. Ich bin das Licht der Welt. Ich bin die Tür zum Vater. Ich bin der gute Hirte. Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Ich bin die Auferstehung und das Leben. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. – Ich bin!

Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!

Diese gewaltige Ansage im vorletzten Kapitel der Offenbarung lenkt den Blick der bedrängten Gemeinden auf Gott, dessen Worte lebendig und voller Schöpferkraft sind. Seit Anbeginn der Welt. Die ersten Verse der Bibel berichten: Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. (…) Und Gott sprach: Es werde… und es ward (…) Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut. (1. Mose 1, 1u. 3 u. 31)

Diesen Bogen vom Anbeginn der Schöpfung bis zur von Gott verheißenen Neuschöpfung spannt auch die Künstlerin Stefanie Bahlinger in ihrer Grafik. Ganz konkret mit dem Regenbogen, der zuerst ins Auge fällt. Seit Anbeginn der Schöpfung, angedeutet durch die dunkle Fläche links im Bild, verloren die Menschen Gott immer wieder aus dem Blick. Das hindert Gott nicht, an seinem Bund, seinem Versprechen: „Ich bin da“, festzuhalten. Bis heute schreibt Gott seine Geschichte mit den Menschen weiter, auch wenn diese sie mit düsteren Kapiteln von Streit, Unrecht und Zerstörung füllen. Im unteren Bereich wird das Rot des Regenbogens zu Blutstropfen. Sie können stellvertretend für alles Leid stehen. In den Regenbogen fügt sich ein goldenes Kreuz. Es steht für Jesu Leben, Leiden, Sterben und die Auferstehung. Und damit für d i e Zeitenwende, symbolisiert durch den leuchtenden Stern am Ende des Querbalkens des Kreuzes. Der Tod hat nicht das letzte Wort. Mit dem Kreuz und der Hoffnung auf die Auferstehung steht und fällt Gottes Versprechen:
Siehe, ich mache alles neu!

Die Bibel erklärt nicht, wie das geschieht – weder bei der Schöpfung noch bei der Neuschöpfung. Es geschieht! Weil Gott spricht.
Schon im Hier und Jetzt. Auch in mein Leben hinein. Nehme ich das wahr? Glaube ich daran? Es gibt Zeiten, da sind Gottes Worte für mich so unklar und verschwommen wie die Zeilen im mittleren Bereich der Grafik. Oft kann ich nicht erkennen, wo und wie Gott handelt, und frage mich, wer auf unserer Erde das Sagen hat und in wessen Händen die Macht liegt. Zweifel keimen auf: Was und an wen glaube ich angesichts vieler anderer Erklärungsmöglichkeiten für das, was um mich, in der Welt und in der Kirche geschieht? Mein Glaube an Gott, an sein lebendiges Wort und sein Eingreifen gerät immer wieder ins Wanken, wie auch in den Gemeinden, an die Johannes sein Schreiben gerichtet hat.

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