Abschied von der Martin-Luther Kirche in Mammendorf: Ein Wochenende zwischen Feiern und Trauern

Zwischen Lachen und Tränen lagen oft nur Augenblicke: Nach 48 Jahren wurde in der Martin-Luther-Kirche in Mammendorf der letzte Gottesdienst gefeiert. 

Doch vor dem festlichen Entwidmungsgottesdienst mit Regionalbischof Thomas Prieto-Peral und Pfarrerin Johannetta Cornell am Sonntag (18. Oktober) füllte am Samstag (17. Oktober) beim Kinderprogramm noch einmal fröhliches Leben und Lachen die Kirche. Bei frischen Waffeln durften Klein und Groß Erinnerungssteine bemalen, Armbänder basteln, ihre ganz persönlichen Erinnerungen und Gedanken auf Herzen an die Kirchenwand bringen und mit Handabdrücken einen bunten Regenbogen aufs Fenster zaubern. So nahmen auch die jüngsten Gemeindemitglieder Abschied von ihrer Kirche, die sie in zahlreichen Mini-Gottesdiensten und Krippenspielen kennen- und lieben gelernt hatten.

Der Liederhort Adelshofen eröffnete mit schwungvollen Liedern den folgenden bunten Abend, das Krippenspiel-Team zeigte mit 17 Kindern und Jugendlichen, was passiert, wenn Kinder in die Kirche „einbrechen“ und ein letztes Krippenspiel inszenieren. Das Publikum in der vollbesetzten Kirche bedankte sich mit viel Applaus bei den Kids und dem Krippenspiel-Team, das versprach: „Wir machen weiter!“. 

Nach einem Fingerfood-Buffett stand der Abend danach ganz im Zeichen von Geschichte und Geschichten. Umrahmt von stimmungsvoller Musik des Trios „Grüß Dich Luise“ gab es für alle noch einmal die Möglichkeit, Gedanken und Erinnerungen auszutauschen. Den Anfang machte Josef Braun, der in seinem Vortrag einen großen Bogen von der Eroberung Konstantinopels über Martin Luther und die Reformation sowie die Wiedertäufer in Mammendorf um 1528 bis zum Grundstückkauf und der Errichtung eines eigenen evangelischen Gotteshauses in Mammendorf schlug, das später Martin-Luther-Kirche genannt werden sollte. 

Pfarrerin Paula Keller, von vielen sehr herzlich an ihrer alten Wirkungsstätte begrüßt, schilderte in einem persönlichen und humorvollen Vortrag ihre Erinnerungen an die Kirche und hob besonders das aktive Gemeindeleben und die gelebte Ökumene vor Ort hervor.

Im Anschluss war das Publikum selbst dran: Gemeinsam wurde das ABC der Martin-Luther-Kirche gesucht und gefunden: Von A (wie Äpfel am Christbaum) über F (wie feucht-fröhliche Faschingsfeiern mit anschließender Polizeikontrolle), K (wie Konfi-Unterricht) und O (wie Orgel – die erste in Mammendorf war selbst gebaut) wurden schöne, aber auch ernste Erinnerungen und Gedanken geteilt, die dann im perfekten Z (wie Zusammenhalt) ihren Zusammen-Schluss fanden. Einen festlichen Abschluss des bunten Abends bildete das gemeinsame Singen von Abendliedern und der Abendsegen, den Pfarrerin Keller sprach.

Ebenso festlich ging es am nächsten Morgen im Entwidmungsgottesdienst weiter, der vom Chor Cantabo und Arnold Schwarz-Schulz an der Orgel musikalisch begleitet wurde. In seiner Predigt fasste Regionalbischof Thomas Prieto-Peral nochmal die Geschichte der Martin-Luther-Kirche kurz zusammen und ließ dabei auch persönliche Erinnerungen etwa an seine Konfi-Zeit und seine Eindrücke vom Glas-Fenster des Künstlers Knut Liese mit einfließen. Nach dem letzten Abendmahl in der Martin-Luther-Kirche entwidmete der Regionalbischof die Kirche, bevor die liturgischen Gegenstände wie Taufbecken, Abendmahlsgeräte, Bibel, Kreuz und Osterkerze in einem schweigenden Auszug aus der Kirche getragen wurden. Vor der Kirche stimmte die Gemeinde ein letztes Lied an und verabschiedete sich mit Dankbarkeit und Tränen von ihrer Kirche. Beim anschließenden Grillen und Kuchenessen gab es im Garten viel Raum für Gespräche und Erinnerungen, bevor das letzte Wochenende der Martin-Luther-Kirche zu Ende ging.

Stephanie Rinck

Was passiert eigentlich mit....

Eine der spannendsten Fragen für viele: Was passiert eigentlich mit... dem Grundstück, der Altarbibel und dem Fenster.

Die Antwort ist denkbar einfach: Wir wissen es noch nicht im Detail.

Wichtig: Sie haben eine besondere Beziehung zur Kirche und möchten ein Andenken? Sie haben ernsthaftes Interesse an dem Grundstück? Sie haben eine weiterführende Idee, wer sich über die schönen Paramente der Kirche freuen würde? Bitte schreiben Sie eine E-Mail mit Ihrem Anliegen an pfarramt.grafrath@elkb.de
Hier werden alle Anliegen gesammelt und können so Anfang 2027 im KV weiter beschlossen werden. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass dieser Prozess etwas dauern kann.

Ein großes DANKE an Toni Fasching, der die wunderbaren Bilder der Kirche gemacht hat und uns zur Verfügung gestellt hat!